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17.01.2019

Spielerberater Kandemir im Interview.

Im Haifischbecken

Yusuf Kandemir (30) hat sich als Spielerberater mit seiner eigenen Agentur „inFutbol“ einen Traum erfüllt. Im Interview spricht der IST-Fußballmanager über seine Erfahrungen im Haifischbecken Spielerberatung, Thierry Henry und Kylian Mbappé, spannende Reisen und spannende Champions-League-Abende – und darüber, warum er seinen Lieblingsverein lieber nicht verrät.

IST: Herr Kandemir, vor kurzem haben Sie noch am IST die Weiterbildung zum Fußballmanager absolviert. Jetzt haben Sie Ihre eigene Spielerberateragentur. Steile Karriere?
Kandemir
: Ja, kann man so sagen. Wobei das Fernstudium auch ein entsprechender Steilpass war, um im Fußballersprech zu bleiben. Ja.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
Kandemir
: Als Leiter von „inFutbol“ gewährleiste ich meinen Spielern eine hohe Präsenz. Ich fördere deren Karrieren und entlaste sie soweit wie möglich von allen Aufgaben außerhalb des Spielfelds.

… und schauen, dass Ihre Spieler auf dem richtigen Spielfeld spielen?
Kandemir:
Absolut. Wenn ich meine Spieler einem Verein vermittle, muss ich voll und ganz davon überzeugt sein, dass dieser Verein für seine Entwicklung die bestmögliche Option ist.

Warum haben Sie sich entschieden, als Spielerberater Karriere zu machen?
Kandemir:
Mit meiner Spielerberateragentur kann ich meine absolute Leidenschaft mit meinen Stärken kombinieren: mein Fachwissen und mein Netzwerk. Der Beruf macht mir unglaublich viel Spaß. Es motiviert mich, jungen Sportlern zu helfen und ihnen eine Perspektive zu bieten.

Spieler beobachten, Spiele beobachten, Groundhopping und Netzwerken – was machen Sie denn privat so?
Kandemir:
Meine wenige Freizeit verbringe ich am liebsten mit meiner Freundin Merve. Außerdem trainiere ich viel, lese viel und reise viel. Wobei … Reisen kommt schon seit meiner Selbstständigkeit sehr kurz, abgesehen von den dienstlichen Fahrten.

Sie haben mal als Amateur für den SV Rheinbreitbach und den Oberkasseler FV gespielt. Gibt es noch Berührungspunkte als Aktiver?
Kandemir:
Nein. Dafür genieße ich die Champions-League-Abende unter der Woche.

Welche Erfahrungen haben Sie in der Szene bislang gesammelt?
Kandemir:
Ich habe sehr schnell gemerkt, dass ich mich in einem Haifischbecken befinde. Viele Spielerberater gehen sehr aggressiv und mit dubiosen Methoden vor. Allerdings habe ich auch sehr viele schöne Erfahrungen gemacht, vor allem mit jungen Spielern, die einem eine unfassbare Dankbarkeit entgegenbringen.

Welche Spieler betreuen Sie denn?
Kandemir:
Ich habe einige vielversprechende Spieler unter Vertrag. Mit einem sehr bekannten Profi laufen aktuell Verhandlungen. Mehr kann und will ich dazu nicht sagen.

Welcher ist denn Ihr Lieblingsverein?
Kandemir:
Das verrate ich auch nicht. Ich möchte mir keine Türen verschließen. Das Geschäft ist sehr sensibel.

Aber Ihr Lieblingsspieler?
Kandemir:
Thierry Henry.

… der ja als Trainer bislang nicht so erfolgreich ist. Dafür haben Sie umso mehr Erfolg. Hat Ihnen die IST-Weiterbildung zum Fußballmanager dabei geholfen?
Kandemir:
Vereine schätzen den IST-Abschluss. Außerdem habe ich in den Präsenzphasen ein gutes Netzwerk aufgebaut. Inhaltlich war besonders das Kapitel „Spielerberatung“ spannend für mich.

Ist es wichtig für junge Spieler, sich schon parallel zur Karriere weiterzubilden?
Kandemir:
Definitiv. Ich empfehle es jedem meiner jungen Spieler. Die vom IST angebotenen Fernstudiengänge sind mit ihren Inhalten und der zeitlichen wie räumlichen Flexibilität hervorragend geeignet, während der Fußballkarriere schon für die Zeit danach vorzusorgen. Deshalb habe ich mit dem IST auch eine Kooperation geschlossen, die es meinen Spielern ermöglicht, sich vergünstigt beim IST weiterzubilden und zu studieren. Ich selbst könnte mir übrigens vorstellen, noch den Sport-Mentaltrainer dranzuhängen am IST.

Apropos mentale Stärke: Wer gewinnt denn die Champions League?
Kandemir:
Die Mannschaft, die im April 2019 die beste Form aufweist.

Das ist oft ein Team mit einem für Normalsterbliche kaum noch nachvollziehbaren Marktwert. Wie erklären Sie einer Krankenschwester, dass viele Fußballer 20 Mal so viel verdienen wie sie?
Kandemir:
Das kann ich nicht. Das ist aber auch nicht mein Job.

Das stimmt. Ihr Job ist es, für Ihre unter Vertrag stehenden Spieler das Maximum herauszuholen. Was ist für Sie persönlich denn noch drin?
Kandemir:
Ich möchte stetig expandieren und natürlich auch mehr und mehr große Spieler betreuen.

Zum Beispiel?
Kandemir:
Kylian Mbappé.

Auf dem Weg werden aber noch viele Haie kommen …
Kandemir:
So ist das Geschäft.

Vielen Dank für das Gespräch!