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14.03.2019

Sven Herrmann, IST-Dozent und Spielanalytiker, im Gespräch.

Der Architekt der Spielanalyse

Sven Herrmann (27) arbeitet als Analyst für den DFB und die Firma STATS Deutschland. Beim IST-Studieninstitut ist er als Dozent für die Weiterbildung „Spielanalyse & Scouting“ am Ball.

Im Interview spricht der frühere Fußballer über die Deutsche U-17-Nationalmannschaft, Artificial Intelligence im Scouting und seinen ganz persönlichen Moment, der ihm den Weg ins Fußballbusiness bereitet hat.

IST: Sven, Du bist seit einigen Monaten als Dozent der IST-Weiterbildung „Spielanalyse & Scouting“ tätig. Hauptberuflich arbeitest Du aber als Technical Account Manager und Analyst bei der STATS Deutschland GmbH. Was genau machst Du da?
Sven Herrmann:
Zu meinen Aufgaben als Technical Account Manager und Analyst zählen die Kundenbetreuung und die Kundenakquise. Außerdem fallen unterschiedliche wissenschaftliche Studien der Spielanalyse in meinen Bereich. Ich bin statistischer Analyst für die Firma STATS und Analyst der deutschen U17-Nationalmannschaft. Möglich ist das durch eine Kooperation zwischen STATS und dem DFB.

Wie bist Du in den Bereich Spielanalyse gekommen?
Herrmann:
Meine ersten Schritte im Bereich der Spielanalyse habe ich während meines Studiums an der Deutschen Sporthochschule in Köln gesammelt. Dort gibt es einen Zertifikatsstudiengang „Team-Köln Spielanalyse“, der den Studenten ermöglicht, während des Studiums erste Praxiserfahrungen im Bereich der Spielanalyse zu sammeln. Dort hat alles für mich angefangen.

Und wann wurde Dir klar, dass Dich der Bereich Spielanalyse besonders interessiert und Du sogar Deine berufliche Zukunft darin siehst?
Herrmann:
Ich hatte die besondere Ehre, während des Team-Köln-Projekts während der Europameisterschaft 2016 ein Team zu leiten. Obwohl das eine der stressigsten Zeiten während meines Studiums war, war es trotzdem auch der Punkt, an dem mir klar wurde, dass ich unbedingt im Bereich der Spielanalyse arbeiten möchte. Ich hatte enorm viel Freude an den unterschiedlichen Aufgabenbereichen wie mannschaftstaktischer Analyse, Einzelspieleranalyse und statistischer Analyse.

Was steht 2019 bei Dir an?
Herrmann:
2019 kann ein aufregendes Jahr für mich als Analyst werden. Zunächst steht im März die Eliterunde in Deutschland an, wobei das Ziel selbstverständlich die Teilnahme an der U-17-Europameisterschaft in Irland ist und – bestenfalls – die U-17-Weltmeisterschaft. Mein Fokus liegt derzeit auf der Vorbereitung der Eliterunde, um dem Trainerteam und der Mannschaft meine bestmögliche Unterstützung im Bereich der Spielanalyse zu gewährleisten. Darunter fallen Mannschaftsanalysen, Einzelspieleranalysen und auch statistische Analysen. Dies wird im Vorfeld alles mit dem Trainerteam besprochen, um so den Spielern gefilterte Informationen vor Ort bereit zu stellen.

Du warst vor Deiner Zeit beim DFB auch in verschiedenen Vereinen tätig. Siehst Du grundlegende Unterschiede zwischen der Arbeit im Verein und beim Verband?
Herrmann:
Der größte Unterschied ist der Faktor Zeit. Im Verein habe ich tagtäglich mit Trainerteam und Spielern zusammenarbeiten dürfen. Bei der U 17 ist das anders, dort sehe ich das Trainerteam und die Mannschaft ausschließlich während der Maßnahmen. Demnach muss ich meine Informationen den jeweiligen Maßnahmen anpassen und komprimieren, sodass ich das Trainerteam und vor allem auch die Spieler nicht mit Informationen überlade.

Wie analytisch schaust Du privat Fußball? Kannst Du auch mal abschalten und ein Spiel einfach genießen?
Herrmann:
Das analytische habe ich beim privaten Fußball oft dabei. Oftmals schreibe ich mir auffällige Szenen schnell in mein Handy, um diese im Nachgang herauszufiltern und für meine tägliche Arbeit im Analysebereich zu verwenden oder sie zu speichern für einen späteren Zeitpunkt.

Du wirst auch in 2019 Dein Wissen und Deine Erfahrungen in der IST-Weiterbildung „Spielanalyse & Scouting“ einbringen. Was gibst Du den Teilnehmern, die im Bereich der Spielanalyse arbeiten wollen, mit auf den Weg?
Herrmann:
Die häufigste Frage die ich gestellt bekomme ist: Wie bekomme ich ein Job im Bereich Spielanalyse & Scouting? Natürlich ist es schwierig, sofort einen Job zu finden, der auch noch dem Workload adäquat vergütet wird. Ich kann nur empfehlen, ein Netzwerk aufzubauen und möglichst viele Erfahrungen in dem Bereich zu sammeln, beispielsweise durch Praktika und auch Ehrenamt.

Was empfiehlst Du Trainern, die im Amateurfußball den Spielanalysebereich in ihre Trainingsarbeit integrieren wollen? Siehst Du für diese Zielgruppe einen Mehrwert im Kurs?
Herrmann:
Selbstverständlich sehe ich einen Mehrwert auch im Amateurfußball. Egal, in welchem Bereich analytische Hinweise auf mannschaftstaktischer und individualtaktischer Ebene gegeben werden – das lohnt sich immer. Das Aufnehmen der Spiele und Nacharbeiten ist für Spieler und Trainer wichtig.

Wie schätzt Du die Entwicklung des Arbeitsmarktes im Bereich der Spielanalyse ein? Glaubst Du, dass dieser Bereich – ähnlich wie in anderen Ländern auch – wachsen wird und die Klubs vermehrt auf eine Professionalisierung setzen werden?
Herrmann:
Wie ich das mitbekomme, wird der Arbeitsmarkt im Bereich der Spielanalyse auch im Scouting immer größer. Wir nähern uns anderen Ligen an. Ich glaube, dass der Bereich der Spielanalyse in den nächsten Jahren immer wichtiger wird, mit zunehmend differenzierten Rollen innerhalb des Scoutings und entsprechend mehr Arbeitsplätzen.

Wie siehst Du die deutschen Klubs im internationalen Vergleich aufgestellt? Glaubst Du, wir müssen in den Bereichen Spielanalyse & Scouting und in der grundsätzlichen Arbeit mit Daten aufholen, um langfristig noch mithalten zu können?
Herrmann:
Wir sind im Vergleich mit internationalen Klubs gut aufgestellt. Der Bereich Spielanalyse & Scouting wird immer größer und es gibt immer mehr Datenlieferanten. Die Vereine haben auch die Möglichkeit, mit den Ligadaten zu arbeiten. Daten müssen allgemein transparenter werden, damit jeder versteht, was sie bedeuten. Verschiedene Anbieter sind dabei, genau das zu visualisieren. Auch wir haben mit der Firma STATS eine auf AI und ML (Artificial Intelligence und Machine Learning) basierende Plattform entwickelt, die es uns ermöglicht, Daten besser zu verstehen und diese direkt mit einem Videobild zu verknüpfen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Alle Informationen zur Weiterbildung „Spielanalyse & Scouting“ finden Sie hier.