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11.04.2019

Hanballer Hendrik Pekeler im Interview.

Der Maurer-Meister mit dem irren Blick

Der frisch gebackene DHB-Pokalsieger Hendrik Pekeler ist gemeinsam mit Patrick Wienczek das Abwehr-Bollwerk in der deutschen Handballnationalmannschaft und beim THW Kiel. Neben dem Profisport absolviert er eine Weiterbildung am IST-Studieninstitut.

Hendrik PekelerDer Europameister, mehrfache Deutsche Meister und Champions-League-Gewinner bringt enorme Stabilität und Sicherheit in die besten Abwehrreihen der Welt. Und auch privat steht der 27-Jährige für Erfolg und Sicherheit. Im Interview spricht der angehende IST-Sportmanager mit Terence-Hill-Blick über seinen Aufstieg zu Deutschlands Parade-Abwehrchef und die WM im eigenen Land, über Social-Media-Videos und Videobeweise im Handball – und über seinen größten Wurf, für den er nicht mal einen Handball gebraucht hat.

Herr Pekeler, herzlichen Glückwunsch zur Titelverteidigung. Wie fühlt es sich an, das Final Four gewonnen zu haben?
Hendrik Pekeler:
Vielen Dank. Es fühlt sich fantastisch an. Der Pokal ist immer etwas Besonderes, da Du anders als in der Liga jedes Spiel gewinnen musst, um den Pott zu holen.

Apropos jedes Spiel gewinnen: In der Meisterschaft hat Flensburg-Handewitt bislang nur ein Spiel verloren, Sie sind mit dem THW Kiel Zweiter. Reicht das, um den eigenen Ansprüchen und denen in Kiel gerecht zu werden?
Pekeler:
Ja und nein. Auf der einen Seite wollen wir als THW Kiel natürlich Deutscher Meister werden. Auf der anderen Seite spielen wir in der stärksten Liga der Welt und haben auch kein Abo auf die Meisterschaft abgeschlossen. Dieses Jahr ist Flensburg extrem stark und bislang zurecht Erster. Natürlich versuchen wir alles, um noch aufzuschließen oder bei Ausrutschern parat zu stehen. Generell wollen wir jedes Jahr in allen Wettbewerben jedes Spiel gewinnen. Das ist unser Anspruch.

Dieses Jahr kam noch die Weltmeisterschaft im eigenen Land und in Dänemark dazu. Wie haben Sie persönlich diese Zeit empfunden?
Pekeler:
Das war der Wahnsinn. Die Atmosphäre war fantastisch. Vor allem das Spiel gegen Kroatien in Köln war der Hammer. Die ganze Halle hat gekocht und uns gepusht.

Sie selbst gehen auch voran und führen mit Ihrem Teamkollegen Patrick „Bambam“ Wienczek die Deckung beim THW und in der Nationalmannschaft. Hinten sind Sie eine Mauer und haben schon viele Meisterschaften gewonnen …
Pekeler:
Ja. Die Abwehrarbeit im Handball ist extrem hart, macht aber auch unglaublich viel Spaß. Besonders, wenn man wie ich so tolle Nebenmänner wie Bambam hat.

Ähnlich wie Patrick Wienczek sind auch Sie auf der Platte nie unter 100 Prozent. Immer Vollgas, pure Emotionen, dazu dieser irre Blick, der jedem Gegenspieler signalisiert: An mir kommst Du nicht vorbei. Und nach dem Spiel sind Sie die Ruhe in Person. Wie passt das zusammen?
Pekeler:
Das ist bei uns Handballern so. Für zwei mal dreißig Minuten sind wir im Tunnel. Danach aber wieder ganz friedlich.

Auch nach hitzigen Spielen und Entscheidungen, beispielsweise nach dem Videobeweis im DHB-Pokal-Halbfinale?
Pekeler:
Na gut, es gibt immer Ausnahmen. Aber selbst da war ich relativ schnell wieder ruhig und fokussiert. Man muss ja nicht jede Entscheidung teilen – es bringt aber auch nichts, sich mit Spielen, die geschehen sind, zu lange zu beschäftigen.

In Ihrer Jugend haben Sie auch aktiv Fußball gespielt. Wenn Sie heute als knallharter Handballer sehen, wie sich Profifußballer nach einem Allerwelt-Foul meterweit über den Rasen rollen und die schauspielerische beinahe die sportliche Leistung übersteigt – schämen Sie sich dann fremd?
Pekeler (lacht):
Sagen wir mal so: Das ist nicht schön anzuschauen …

Liga, Pokal, EHF Champions League, WM – und parallel haben Sie noch geheiratet, sind Vater geworden und bauen ein Haus. Hat Ihr Tag mehr Stunden als bei anderen?
Pekeler:
Schön wäre es manchmal. Das letzte Jahr war schon eine anstrengende Zeit. Aber auch eine sehr schöne. Das sind ja alles durchweg positive Themen. Trotzdem freue ich mich darauf, mal wieder etwas mehr Zeit zu haben.

Zusätzlich zu Ihrer Profikarriere und Ihrem privaten Höhenflug haben Sie auch noch ein Studium begonnen. Wie geht das denn noch on top?
Pekeler:
Ich habe am IST-Studieninstitut das Fernstudium „Sportmanagement“ begonnen. Das geht nur, weil die Studienbedingungen extrem flexibel sind. Das ist für Profisportler wie mich auch die einzige Möglichkeit, sich schon parallel zur Karriere weiterzubilden.

Das heißt, dass Sie entsprechend Ihrer sportlichen Belastung während der Saison mal mehr, mal weniger fürs Studium machen?
Pekeler:
Genau. Aber auch die örtliche Flexibilität ist optimal. Ich kann per Laptop, Tablet oder auch Smartphone – und natürlich mit den Studienheften – auch auf unseren Reisen zu Auswärtsspielen lernen. Ohne diese zeitliche und örtliche Flexibilität wäre das aktuell nicht möglich.

Warum haben Sie ein Studium zum Sportmanager angefangen?
Pekeler:
Ich möchte nach meiner aktiven Zeit weiter im Sport arbeiten, kann mir beispielsweise eine Tätigkeit im Verein sehr gut vorstellen. Das geht aber nur, wenn man neben der eigenen sportpraktischen Erfahrung auch das nötige Know-how im Managementbereich hat.

Social-Media-Erfahrung haben Sie ja schon reichlich. Mit Ihren 55.000 Instagram-Fans und 30.000 Followern auf Facebook gehören Sie zu den Top Ten der Handballer. Machen Sie die Posts alle selbst?
Pekeler:
Ja. Das kostet zwar auch nochmal Zeit – aber dadurch bleibe ich authentisch. Und das ist mir wichtig.

Gibt es eigentlich einen Handballer, gegen den Sie überhaupt nicht spielen möchten?
Pekeler:
Zarabec! Miha Zarabec ist so klein, schnell und wendig. Aber Gott sei Dank spielt der in meinem Team.

Sie werden im Sommer 28 Jahre alt. Wie lange denken Sie, können Sie noch als Profi Handball spielen?
Pekeler:
Mein Ziel ist es, bis 35 zu zocken.

Dann haben Sie Stand heute noch acht Jahre Zeit, sich auf Ihre Karriere nach der Karriere vorzubereiten …
Pekeler:
Meiner Meinung nach sollte man als Profisportler so früh wie möglich damit anfangen. Anders als viele Fußballer können die meisten Handballer nicht bis zur Rente von Ihrer Profikarriere leben.

Was war denn Ihr bislang größter Wurf?
Pekeler:
Für meine allergrößten Würfe habe ich nicht mal einen Handball gebraucht. Denn das waren meine Hochzeit und die Geburt meiner beiden Töchter.

Alle Informationen zur Weiterbildung, die Hendrik Pekeler am IST besucht, finden Sie hier.

Unser Foto zeigt Hendrik Pekeler (rechts) und Daniel Duhr, Pressereferent am IST.