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04.09.2017

Uwe Hünemeier: In England kicken, in Deutschland studieren

Mit dem Erfolg hatte er bei seinem Wechsel in die zweite englische Liga wohl nicht gerechnet. Am Ende der Saison aber stieg Uwe Hünemeier mit Brighton & Hove Albion in die Premier League auf. Parallel dazu belegte der Abwehrspieler das Fernstudium „Fußballmanagement“ am IST-Studieninstitut. Wir sprachen mit ihm über seine Weiterbildung, die Aufstiegsfeier mit englischen Fans und darüber, was Jürgen Klopp so besonders macht.


Herr Hünemeier, eine Frage vorab: Hat der Brexit eigentlich Folgen für Sie als deutschen Spieler auf der Insel?

Hünemeier: Bisher hat es noch keine großen Folgen, mal abgesehen von der Stärke des Pfunds zum Euro nach Bekanntgabe des Austritts. (lacht)

Sollte es mit den Einnahmen mal nicht mehr so gut laufen, bereiten Sie sich ja schon auf die berufliche Zukunft vor – und absolvieren gerade die IST-Weiterbildung zum Fußballmanager. Warum haben Sie sich dazu entschieden?
Hünemeier: Ich bin durch Fußball-Kollegen auf das IST aufmerksam geworden und habe das Studium dann angefangen, weil ich die vorhandene Zeit in England, ohne meine Familie, sinnvoll nutzen wollte. Zudem denke ich, dass ich in ein Alter komme, wo ich meinen zweiten Karriereweg langsam vorbereiten sollte.

Wie wichtig war für Sie die Tatsache, dass die Weiterbildung als Fernstudium angeboten wird?
Hünemeier: Da ich momentan in England Fußball spiele, war es für mich so die einzige Möglichkeit, eine Weiterbildung anzugehen. Gleichzeitig konnte ich mir so alle Inhalte zeitlich selbst einteilen. Die Studienhefte waren immer zeitig da, sodass es keine Probleme gab, das Studium durchzuziehen. Auch die Betreuung war immer einwandfrei.

Wie notwendig ist es Ihrer Meinung nach grundsätzlich für Fußballer, sich rechtzeitig auf die Zeit nach der aktiven Karriere vorzubereiten und sich weiterzubilden?
Hünemeier: Ich denke, es ist sehr wichtig, sich rechtzeitig auf die Karriere nach der Karriere vorzubereiten. Es gibt genügend Beispiele, die einen warnen sollten, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen und zu glauben, es wird schon irgendwie gehen. Durch meine Weiterbildung bekomme ich frühzeitig ein Gefühl dafür, ob dieses Themengebiet später für mich interessant sein könnte.

Haben Sie denn schon eine Vorstellung, was Sie nach der sportlichen Karriere mal machen möchten? Und glauben Sie, dass Ihnen die Weiterbildung dabei helfen wird?
Hünemeier: Es ist momentan für mich schwer vorstellbar, fernab vom Sport tätig zu werden. Und die Weiterbildung hilft mir definitiv auf meinem weiteren Weg. Ich würde sie auf jeden Fall weiterempfehlen.

Mit Brighton sind Sie in die Premier League aufgestiegen – das erste Mal seit 34 Jahren. Was bedeutet dieser Erfolg für Sie und den Verein?
Hünemeier: Dieser Erfolg war bei meinem Wechsel nicht abzusehen und ist natürlich ein Riesenerfolg für den Verein und für mich persönlich. Aufstiege sind immer was Besonderes und das Beste, was man neben Titeln erreichen kann.

Die Aufstiegsparty war sicher feucht-fröhlich: Können die englischen Fans wirklich so gut feiern, wie es immer heißt?
Hünemeier: Englische Fans können auf jeden Fall gut feiern und doch sind sie immer friedlich und gar nicht beängstigend – zumindest war das bei uns der Fall. Wir konnten ausgelassen mit den Fans auf dem Platz und auch in der Stadt feiern, was natürlich ein herausragendes Gefühl ist.

Was sind Ihre Ziele für die Saison in der obersten englischen Liga?
Hünemeier: Mein Ziel ist es, so viele Spiele wie möglich zu machen. Ich möchte nicht nur Teil des Kaders sein, sondern aktiv sein. Ich bin Wettkämpfer und will mich auf höchstem Niveau messen und das ist die Premier League absolut.

Dort treffen Sie auf Liverpool und Ihren alten Dortmunder Trainer Jürgen Klopp. Auf das Wiedersehen freuen Sie sich, haben Sie gesagt. Was macht Klopp als Trainer so besonders?
Hünemeier: Sein Umgang mit den Spielern ist herausragend. Seine soziale Kompetenz ist sicherlich außergewöhnlich und gepaart mit seiner fußballerischen Fachkompetenz eine Kombination allerhöchster Güte. Er lebt Fußball wie kein Zweiter und sein Ansehen in England ist bereits nach seiner noch relativ kurzen Zeit hier sehr hoch.

Es wird oft vom „Fußball in England“ gesprochen, zum Beispiel, dass er körperbetonter sei. Gibt es tatsächlich so große Unterschiede zwischen dem englischen Fußball und der Bundesliga?
Hünemeier: Diese Unterschiede gibt es auf jeden Fall. Die Zweikampfbeurteilung der Schiedsrichter ist definitiv großzügiger als in Deutschland. Hart geführte Zweikämpfe mit Ball gehören zur Tagesordnung und ein hohes Bein gibt es auch nur sehr selten.

Noch mal zurück zum Thema Weiterbildung: Ihre Frau belegt auch gerade eine Weiterbildung beim IST-Studieninstitut, und zwar zum Ernährungscoach. Gibt Sie Ihnen schon mal den ein oder anderen hilfreichen Tipp, worauf Sie achten sollten?
Hünemeier: Sie gibt mir schon mal den ein oder anderen Hinweis – wobei ich zugeben muss, dass ich, was Essen angeht, doch sehr eigenwillig bin. (lacht)

Herr Hünemeier, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg in der neuen Saison!