07.10.2021

Instagrammability – Alles Schall und Rauch oder doch verkaufsfördernd?

Sabrina Wenzler, Instagram-Kennerin und Bachelor-Absolventin der IST-Hochschule, verrät im Gespräch, was sich hinter dem Trend „Instagrammability“ verbirgt, und wie man das Marketinginstrument erfolgreich einsetzt.

Frau Wenzler, könnten Sie uns zunächst einmal erklären, was genau mit „Instagrammability“ gemeint ist?
Wenzler:
Instagrammable kann letztendlich alles sein: ein Ort, eine Person, ein Gegenstand oder sogar eine Stimmung – sie müssen nur attraktiv bzw. ästhetisch genug sein, um fotografiert und auf Instagram veröffentlicht zu werden. Wenn der Inhalt des Fotos dann überzeugt – also viele Reaktionen über Likes und Kommentare bekommt – nennt man dies „Instagrammability“.   

Das heißt aber im Umkehrschluss, dass man selber keinen Einfluss darauf hat, ob das eigene Hotel jetzt „instagrammable“ ist – oder sehe ich das falsch?  
Wenzler:
Ja und nein. Die Einzigartigkeit des Hotels ist hierbei ausschlaggebend. Diese Unverwechselbarkeit kann sich auf ganz unterschiedliche Aspekte beziehen: das Frühstücksangebot, die Fassade des Gebäudes, die Kacheln im Badezimmer, den Kronleuchter in der Lobby oder eine Ausflugsmöglichkeit, die kein anderer anbietet. Bei geplanten Bau-, Umbau- und Erweiterungsmaßnahamen sollte man die neuesten Trends und Tipps von Einrichtungsexperten und Architekten in jedem Fall berücksichtigen. Steht das Gebäude allerdings bereits, so sind der Standort und die Architektur natürlich schwer zu beeinflussen. Dennoch gibt es unzählige weitere Möglichkeiten, zu einem „instagrammable place“ zu werden: Das 25hrs Hotel in Düsseldorf hat beispielsweise die Badewannen auf den Balkon platziert, die natürlich ein wunderbares Fotomotiv bieten und im Giraffe Manor in Nairobi kann man gemeinsam mit Giraffen, die in der Gartenanlage des Hotels frei herumlaufen, auf der Terrasse frühstücken. Einzigartiger geht es ja schon fast nicht mehr.  

Wie spannend! Aber wie erreicht man den Status eines „instagrammable Hotels“?
Wenzler:
Nachdem definiert wurde, welche Besonderheit des Hotels man über Instagram vermarkten möchte, sollte man diese beispielsweise mit innovativer Beleuchtung oder modernen Einrichtungshighlights in Szene setzen. Wichtig ist, dass man die Aufmerksamkeit der Gäste gewinnt, die diesen Teil des Hotels dann fotografieren und sich damit auf Instagram profilieren wollen.  Weiterhin kann man mit sogenannten Influencern zusammenarbeiten. Hierbei sollte man darauf achten, dass der Influencer zu den Werten und dem Image des Hotels sowie der Marke passt. Laut der Studie „Spotlight Influencer 4.0“ haben bereits ca. die Hälfte der Personen, die Influencern folgen, ein von ihnen beworbenes Produkt gekauft. Dabei geht der Trend zu Micro-Influencern, die zwischen 5.000 und 50.000 Follower aufweisen. Das Geniale: Der Micro-Influencer wirkt durch die „wenigen“ Follower noch nahbar und somit überzeugender. Darüber hinaus können Micro-Influencer grundsätzlich mit einer hohen Engagement-Rate punkten. Influencer, die Marken-Hopping betreiben, verlieren heutzutage stark an Authentizität und sollten für ein nachhaltiges Image gemieden werden.
Die „Instagrammability“ ist jedoch nur ein Pfeiler von vielen, um erfolgreiches Marketing auf Instagram zu betreiben. Man sollte sich also nicht nur hierauf verlassen.

Welche weiteren Möglichkeiten gibt es denn, um Instagram erfolgreich zu betreiben?
Wenzler:
Instagram bietet neben der Hotelwebsite und den anderen Social-Media-Plattformen eine weitere Möglichkeit, um mit seinen Gästen und potenziellen Besuchern in Kontakt zu treten. Essenziell ist hierbei, dass man das Profil konstant, akribisch sowie in Echtzeit bespielt und auch mit den Followern interagiert. Hierzu gehören das Liken, Kommentieren sowie das Wiedergeben des Gäste-Contents. Dadurch zeigt das Hotel Interesse und schätzt den fremdproduzierten Content wert.  Auch für das inzwischen wohlbekannte „Storytelling“ ist Instagram bestens geeignet. Ein Bild sagt schließlich mehr als tausend Worte. Dabei können es Storys von Mitarbeitern, Gästen oder Influencern sein. Grundsätzlich liegt fremdproduzierter Content von authentischen Personen im Trend und führt so gut wie immer zur Generierung von Interesse und Reichweiten. Wenn man alle Maßnahmen geschickt kombiniert, kann man mit Instagram zur allgemeinen Steigerung der Präsenz, Reputation und Bekanntheit im Internet positiv beitragen.

Hört sich nach einer Menge Arbeit und Zeit an, die man in den Aufbau des sozialen Netzwerks investieren muss. Lohnt sich der Aufwand denn überhaupt?
Wenzler:
Natürlich muss man sich darüber im Klaren sein, dass nicht alle Altersgruppen Instagram als Buchungsplattform und Informationsquelle gleich nutzen. Während im Jahr 2019 ca. 64 Prozent der Bevölkerung zwischen 14 und 29 Jahren Instagram nutzen, zeigt die zuvor genannte Studie „Spotlight Influencer 4.0“, dass nur ca. 13 Prozent der Deutschen ab 50 Jahre bei Instagram angemeldet sind – die Tendenz steigt jedoch. Dies gilt es vor dem Aufbau des Instagram-Kanals zu beachten. Mit der steigenden Nutzung des Smartphones sowie der Social-Media-Kanäle bei der Reiserecherche und -buchung kommt man zukünftig jedoch nicht drum herum. Und wenn man es richtig anstellt, kann man von einem Instagram-Account doch nur profitieren. Bestes Beispiel ist das Riad Yasmine in Marrakesch, das wohl den berühmtesten Pool in ganz Marokko hat. Die durch den Fake-Skandal bekannte Instagrammerin Lauren Bullen hat auf ihrem Account ein Foto von sich beim Frühstücken am Pool des Riads veröffentlicht. Dieses ging so durch die Decke, dass sich die Besitzer kurz darauf über eine 80-prozentige Steigerung der Auslastung freuen konnten. Und das alles nur durch die Zusammenarbeit mit einer Influencerin.