11.03.2021

„Es fehlt noch an Aufklärung.“

Saskia Heinelt hat Großes vor. Zuerst einmal wird sie ihr Kind zur Welt bringen, dann eine zweite Ausbildung absolvieren, um sich danach selbstständig zu machen – mit einer veganen Kita.

IST: Sie sind eigentlich gelernte Kauffrau für Büromanagement, absolvieren aber aktuell ein freiwilliges soziales Jahr in einem Kindergarten. Wie kam es denn dazu?
Saskia Heinelt:
Das ist richtig. Ich habe meine Ausbildung zwar mit Bravour gemeistert, allerdings währenddessen schon gemerkt, dass mich eine reine Bürotätigkeit nicht erfüllt. Ich bin sehr kinderlieb und habe mich deswegen dazu entschieden, eine weitere Ausbildung, nämlich die der Erzieherin, zu beginnen, für die ich zuvor ein Praktikum oder ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren muss. Aufgrund meiner Schwangerschaft bedarf es allerdings nun einer kleinen zeitlichen Verzögerung meines Planes.

Bei uns bilden Sie sich zur „vegetarisch-veganen Ernährungsberaterin“ weiter. Wie passt das mit Ihrem Berufswunsch zusammen?
Heinelt:
Ich habe mich für die Weiterbildung entschieden, da ich seit zwei Jahren vegan lebe, mein Wissen ausbauen und gerne verbreiten möchte. Ich habe die Vision, mich auf vegane Kinderernährung innerhalb einer Kita, aber auch im privaten Umfeld zu spezialisieren.

Das Thema Ernährung hat offensichtlich einen großen Stellenwert in Ihrem Leben. Wie reagiert Ihre Umwelt auf die Kombination von Schwangerschaft und veganer Kostform?
Heinelt:
Für mich ist klar, gerade jetzt meinen täglichen Nährstoffbedarf und den meines ungeborenen Kindes zu decken. Fragen wie: „Bist du sicher, dass dein Kind nicht unterversorgt ist?“ oder „Wie, du lebst trotzdem vegan? Hast du keinen Eisenmangel?“ sind aber keine Seltenheit. Da fehlt es noch an Aufklärung.

Bringen Sie das Wissen, das Sie hier erwerben, auch in die Kita ein? Ist vegetarische oder gar vegane Ernährung überhaupt ein Thema in Ihrer Kita?
Heinelt:
Bereits vor meinem Arbeitsantritt war die Kita, in der ich tätig bin, eine vollwertig vegetarische Kita. Das ist meines Wissens nach nicht immer Standard. Da es sich bei der Kita um eine Elterninitiative handelt, haben die Eltern großen Einfluss auf den Kita-Alltag. Bei meinen Gesprächen bezüglich der veganen Ernährung habe ich in Erfahrung bringen können, dass sich wohl schon Eltern eine vegane Kost innerhalb der Kita gewünscht haben, es allerdings nicht „umsetzbar“ wäre. Leider erschweren die vorhandenen Wissenslücken im Bereich der vollwertigen veganen Kinderernährung die Umsetzung. Ebenso das Vorurteil, dass eine solche zu Mangelerscheinungen führt. Ich konnte jedoch in der kurzen Zeit, in der ich anwesend war, den Kindern, den Eltern und den Kollegen in der Kita vegane Gerichte präsentieren.

Wie sehen Ihre Pläne für die Zeit nach dem Bundesfreiwilligendienst (BFD) aus?
Heinelt:
Nach dem BFD werde ich mich um meinen kleinen Sohn kümmern, der voraussichtlich im Juli 2021 geboren wird. Wenn dieser dann in den Kindergarten geht, werde ich eine Ausbildung zur Erzieherin beginnen.

Und mit welchem Ziel kombinieren Sie dann Ihre Ausbildungen?
Heinelt:
Es ist mein Ziel, mich der veganen Ernährung auch beruflich zu widmen, nämlich als Beraterin. Dafür würde ich mich selbstständig machen. Zunächst neben meiner Tätigkeit als Erzieherin. Mit dem gewonnenen Wissen und den gesammelten Erfahrungen möchte ich dann langfristig eine eigene vegane Kita leiten.

Alle Informationen zur Weiterbildung „vegetarisch-vegane/-r Ernährungsberater/-in“ finden Sie hier.