04.11.2026


„Medizin wieder stärker selbst zu gestalten“
Nach 13 Jahren als niedergelassener Hausarzt wollte Sven Warkus mehr Zeit für individuelle Beratung und Prävention haben. Gemeinsam mit seiner Frau gründete er die Privatpraxis PREVENTHETICS. Dafür erweitert er auch als erfahrener Mediziner sein Wissen: Neben dem Master „Trainingswissenschaft und Sporternährung“ absolviert er die Weiterbildung zum Longevity Coach. Im Interview erzählt er, welche neuen Perspektiven er dabei gewinnt und was davon bereits in seine tägliche Arbeit einfließt.
Dr. Sven Warkus: Die Rahmenbedingungen in der ambulanten kassenärztlichen Versorgung passten immer weniger zu der Art von Medizin, die ich sinnvoll finde. Ich bin davon überzeugt, dass Beratung, Untersuchung und Empfehlungen individuell aufeinander aufbauen sollten – angepasst an persönliche Voraussetzungen, Ziele und Risikofaktoren. Eine hochfrequente Kassenmedizin lässt dafür selten den nötigen Spielraum.
Irgendwann stellte sich für mich deshalb die Frage, ob ich auf Dauer genauso weiterarbeiten möchte. Die Antwort war „nein“. Mit PREVENTHETICS habe ich gemeinsam mit meiner Frau Daniela die Möglichkeit geschaffen, Medizin wieder stärker selbst zu gestalten: mit mehr Zeit, individuellerer Beratung und einem größeren präventiven Anteil. Die klassische hausärztliche Medizin gehört weiterhin dazu.
Warum hast Du Dich trotz Deiner medizinischen Erfahrung bewusst für die Weiterbildung zum Longevity Coach entschieden?
Sven: Bei der Gründung von PREVENTHETICS haben wir gemerkt, dass wir einen konzeptionellen Rahmen benötigen, um unser breites Portfolio sinnvoll zu strukturieren und verständlich zu erklären. Meine Frau und ich haben uns in den vergangenen Jahren zunehmend mit Training, Ernährung und Gesundheitsmanagement beschäftigt und uns auch akademisch weiterqualifiziert.
Wir wollten ein Gesamtkonzept schaffen, das Allgemeinmedizin, Training, Ernährung und weitere Bereiche aus Prävention und Lebensgestaltung sinnvoll zusammenführt. Daher habe ich mich bewusst für eine Weiterbildung im Longevity-Bereich entschieden, die nicht auf Ärzt:innen beschränkt ist.
Was bedeutet Longevity für Dich und wo ziehst Du die Grenze zwischen fundierten Ansätzen und Hype?
Sven: Wir wollen alle lange, gesund, leistungsfähig und unabhängig leben. Dafür gibt es Themenfelder, die nicht ignoriert werden können: unter anderem Bewegung, Ernährung, Gefäßgesundheit, Körperzusammensetzung, Schlaf und Regeneration, Stress, soziale Einbindung und gezielt eingesetzte medizinische Diagnostik.
Was nachgewiesenermaßen die Wahrscheinlichkeit eines langen, gesunden und unabhängigen Lebens erhöht, sollten wir anstreben. Was schädlich ist, sollten wir angehen oder reduzieren. Was theoretisch hilfreich sein könnte, verdient unsere Aufmerksamkeit, sollte aber kritisch hinterfragt werden.
Entscheidend sind für mich persönliche Kompetenz und Entscheidungsfreiheit. Das beste Longevity-Programm ist langfristig sinnlos, wenn Menschen nicht verstehen, warum sie etwas umsetzen oder vermeiden sollten. Wer beispielsweise trackt, sollte wissen, wie er die Daten nutzen kann.
Welche Inhalte und Perspektiven aus der Weiterbildung helfen Dir besonders in Deiner Praxis?
Sven: Besonders wertvoll waren für mich die Themen Schlaf und Regeneration. Diesen wichtigen Teil unseres Alltags habe ich berufsbedingt selbst zu lange ignoriert. Der Begriff „Schlafhygiene“ war mir nicht neu, aber inzwischen kann ich spezifischer und individueller zum Thema Regeneration beraten.
Auch die unterschiedlichen Perspektiven der anderen Kursteilnehmer:innen waren spannend. Dabei habe ich Meinungen und Erfahrungen kennengelernt, an die ich vorher schlichtweg nicht gedacht hatte. Wir neigen wohl alle dazu, in unserer Bubble zu hocken.
Die Weiterbildung hat uns zudem in unserer Einschätzung bestärkt, dass individuell relevante Diagnostik und Beratung ungerichtete Pauschallösungen schlagen. Vieles können wir heute präziser vermitteln.
Parallel absolvierst Du den Master „Trainingswissenschaft und Sporternährung“. Wie ergänzt er Deine ärztliche Arbeit?
Sven: Wir haben Patient:innen, die aktiv trainieren. Andere wissen noch nicht, dass sie trainieren sollten – oder wie Bewegung im Alltag niedrigschwellig möglich und gewinnbringend sein kann.
Für mich ist die Kombination aus Allgemeinmedizin, Chirotherapie, Sportmedizin, Sportwissenschaft und Ernährungswissenschaft sehr wertvoll. Im Master lege ich meinen Schwerpunkt auf Supplements beziehungsweise Nahrungsergänzungsmittel. Unser Ziel ist, Patient:innen zu persönlicher Kompetenz zu verhelfen. Die Longevity-Weiterbildung gibt uns dabei einen sinnvollen Rahmen für das Gesamtkonzept von PREVENTHETICS.
In Kürze schließt Du die Weiterbildung ab. Wem würdest Du sie empfehlen?
Sven: Allen, die sich ernsthaft mit Prävention und langfristiger Gesundheit beschäftigen – für sich selbst oder als Coach, Trainer:in oder Ärzt:in.
Mein Masterstudium, das zuerst begonnen habe, ist hervorragend organisiert. Deswegen habe ich die Weiterbildung zum Longevity Coach gebucht. Und ich wurde nicht enttäuscht. Wer Interesse am Thema hat, wird hier in jedem Fall etwas lernen. Wissen hilft, und Wissenserwerb ist aus meiner Sicht ein essenzieller Teil eines langen und selbstbestimmten Lebens.
Vielen Dank für das Gespräch!
